Interview

Interview

Interview mit Reinhold Kopfmann (2009)

"Lass den Kopfmann mal machen", ist ein geflügeltes Wort geworden, wenn Termine drücken und es wieder mal schwierig wird. Und Kopfmann und seine Männer machen - und wie!

Der genauere Blick in die Reinhold Kopfmann GmbH kann nur mit einem Blick in kluge, fröhliche Augen und einem Gesicht beginnen, das gerne lacht, doch Stärke spüren lässt. Und mit dem Jahr 1993, einer Zeit, die der heutigen so ähnlich ist, wo Wirtschaftswachstum und Aufschwung Fremdworte sind, dafür aber Rezession und Kampf an allen Fronten angesagt ist.
        
Reinhold Kopfmann, 37 Jahre jung, Familienvater, Elektromeister und staatlich geprüfter Elektrotechniker springt am 1.1.1993 mit beiden Beinen ins kalte Wasser, um schwimmen zu lernen. Reinhold Kopfmann gründet die Firma Kopfmann Elektrotechnik in Teningen-Köndringen, denn er will eigenverantwortlich umsetzen, was er in etlichen Jahren theoretisch wie praktisch gelernt hat.

4 qm seines Esszimmers erhalten die stolze Bezeichnung "Büro" und die Garage wird in eine Werkstatt mit Lager umfunktioniert - und somit bestehen die Betriebsräume seiner Firma aus immerhin 8 qm. Staatliche Förderung gleich Null, doch Reinhold Kopfmann kann arbeiten, im zweiten Bildungsweg hat er erst die mittlere Reife, dann die Fachhochschulreife erreicht, so nebenbei den Meister gemacht und "nur" den staatlich geprüften Elektrotechniker hat er in Vollzeit absolviert. Und Reinhold Kopfmann legt los. Kunden akquirieren heißt das Zauberwort. Doch mit dem Zaubern klappt das nicht und keiner scheint sich für seine Fachkompetenz zu interessieren.

Es wird Februar, März, April . Die Blumen blühen, die Kasse ist leer und kein einziger Kunde, nicht der winzigste Auftrag ist in Sicht. Denn was die Kunden wollen, ist klar. Keine lachenden braunen Augen, Manpower und Dynamik, Fachwissen, Risikobereitschaft und der Wille hart zu Arbeiten, sondern eine dicke Mappe voller Referenzen, mindestens dreißig Jahre Berufserfahrung und Höchstalter 28 Jahre sind gefragt. Reinhold Kopfmann rennt sich die Hacken ab. "Ich glaube, ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht", sagt er eines Abends damals zu seiner Frau.

Doch irgendwann im Mai ist er da - der erste Auftrag. Es ist ein 200 Jahre altes Wohnhaus, das von ihm im Bereich der Elektroinstallation saniert wird.
Dann kommt der nächste Auftrag und tatsächlich gibt es auch noch Menschen die einfach Vertrauen haben und ihm eine Chance geben. Nach fünf Jahren hat er zwei Mitarbeiter und dann kommt er - der große Durchbruch, die Herausforderung! Ein Arzneimittelkonzern erinnert sich an ihn, er erledigt den Auftrag zur vollsten Zufriedenheit des Kunden und schon ist der Nächste da.

Er und seine Männer arbeiten manchmal rund um die Uhr, denn Termine müssen eingehalten und Maschinenausfallzeiten vermieden werden. Der Betrieb wächst und wächst, die Mitarbeiter werden mehr und mehr und heute ist das neue Gebäude schon wieder zu klein. "Man braucht natürlich auch ein bisschen Glück", sagt Reinhold Kopfmann im Nachhinein. Das stimmt natürlich, werden Sie jetzt zustimmen, doch sind 23 hochmotivierte Mitarbeiter ein ausgesprochener Glücksfall? Oder liegt es einfach an der Wertschätzung jedes Einzelnen? Vielleicht auch am hervorragenden Werkzeug, an der Arbeitskleidung, an der kameradschaftlichen Zusammenarbeit des ganzen Teams, dem keine Aufgabe zuviel ist? Sind es die Fachschulungen und Seminare, die Reinhold Kopfmann seinen Mitarbeitern ermöglicht oder sein soziales Engagement?

Wer übernimmt schon jeden Azubi in ein festes Arbeitsverhältnis und welcher Chef schafft es, seinen Mitarbeitern wirkliche Eigenverantwortung zu geben? Keine Frage, bei Reinhold Kopfmann wollen die Menschen arbeiten, "Kopfmänner" haben gut lachen, denn für ihren Chef sind sie keine Arbeitstiere, sondern Menschen, die er mag, für die er sich interessiert und dessen Probleme wie seine eigenen sind. Fluktuation = O, in zehn Jahren wechselt nur ein Mitarbeiter - trotz harter Arbeit, die auch vor den Wochenenden nicht Halt macht.

Und ist es einfach Glück, dass aus etlichen Kunden treue Stammkunden geworden sind? "Kunden sind treu", sagt Reinhold Kopfmann, "wenn du bereit bist, dich für sie einzusetzen. Wenn du sie abholst, wo sie stehen und du eine einzige Steckdose genauso sorgfältig montierst, wie eine komplette Installation". Reinhold Kopfmann weiß genau, was er will. Er will nicht nur Dienstleister, er will Kümmerer sein. Sich kümmern, wenn beim Kunden etwas nicht funktioniert, mit offenen Augen beraten und weiterhin mit viel Freude seine Arbeit erledigen. "Zwischen dem Kunden und uns muss es stimmen", sagt er, "muss eine positive Energie sein und nicht nur irgendwelche Umsatzzahlen."

Großkunden zu betreuen ist Reinhold Kopfmanns Spezialgebiet geworden, hier kann er sein Organisationstalent voll ausleben, denn aus dem Handwerker ist ein Manager geworden, ein Autodidakt, der sich ständig weiterbildet, der seinen Kunden nach wie vor "rund um die Uhr" zur Verfügung steht. "Es gibt keine Branchenkrise, es gibt nur Firmenkrisen", ist seine Überzeugung. Wen wundert es jetzt noch, dass Reinhold Kopfmann auch seine soziale Verantwortung sehr ernst nimmt, derzeit vier Auszubildende im Betrieb beschäftigt, 10 Jahre Handballtrainer war, Vereine, Krankenhäuser und kulturelle Einrichtungen unterstützt, seinen Mitarbeitern die Regio-Karte bezahlt und und und...... immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, der zu seinen lachenden Augen passt.

Fazit: Eine erfolgreiche Firma, bei der sich die genauere Betrachtung immer lohnt, ein Chef, der nicht auf Erfolge wartet, sondern hart dafür arbeitet, der mit der Firma wächst und dabei Mensch und Kollege bleibt, sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und für seine Kunden auch mal die Nacht zum Tage macht.